Lottogewinn

Einmal im Lotto gewinnen – so um die 10 Millionen. Davon träume ich und wahrscheinlich nicht nur ich. Eigentlich ja jeder. Zu groß ist die Verlockung, sich alle Wünsche, die sich über die Zeit so angesammelt haben, hintereinander weg selbst erfüllen zu können.

Ich würde mir einen kleinen Hof kaufen, irgendwo, wo es schön ist. Hauptsache ruhig. Ich würde alles auf Vordermann bringen, Energiesparhaus und so. Da wo möglich. Ich würde Bäume und Tiere kaufen, natürlich auch noch ein, zwei Autos und vielleicht noch ein Motorrad. Und ich würde mir endlich den Traum von der großen Privatbibliothek erfüllen, den vom Urlaub auf Mauritius/ in Norwegen und den von selbst verlegten Büchern. Ich würde auch eine Menge spenden, an verschiedene Projekte, die mir am Herzen liegen.
Und ich würde meine Steuern zahlen. Ich weiß, dass ganz schnell ganz viel von dem Geld weg wäre, aber es in einen Koffer zu packen und den nach Liechtenstein oder sonst wo zu bringen, das würde mir im Traum nicht einfallen. Geiz ist geil, klar, jeder schätzt gute Angebote.

Aber was mich wirklich schon länger auf die Palme bringt, ja, mich wirklich stört an unserer Gesellschaft, ist, dass sich ein Egoismus und Neid durch alle Schichten zieht, von dem man meinen könnte, wir als aufgeklärte Zivilgesellschaft wären darüber hinweg. Dass wir auch mal zehne grade sein lassen können anderen mal was gönnen.

Doch die Zahlen – die sprechen wie so oft eine andere Sprache. Wann immer man den Fernseher anmacht, kann man sich Sendungen oder Werbung über Leute anschauen, die es eindeutig schlechter haben, als man selbst. Und damit meine ich nicht nur die Prolls von „Frauentausch“, sondern eher das Klischeebild vom unterernährten schwarzen Kind aus dem Kongo. Dazu passend gibt es genug Studien über die Vermögensaufteilung auf der Welt, wie auch partiell gesehen in unserem Land. Hier besitzen 10% der Haushalte 52% des Nettovermögens, 50% der Haushalten dagegen nur 1% davon. Man spricht hier bildlich auch von der Schere zwischen Arm und Reich, die in Deutschland, wie auch im Rest der Welt, immer weiter auseinander klafft. Je weiter die Globalisierung voranschreitet, desto mehr Vermögen verteilt sich auf nur wenige. Unsere sogenannte Elite.

Dieser Tage macht der „Panama Papers“-Skandal die Runde. Hunderte zum Teil berühmte und bekannte Menschen parken ihr Vermögen in Briefkastenfirmen in der Karibik. Lang gehegte Vermutungen werden wahr, nicht nur das, es gibt genug Beweise Schwarz auf Weiß.

Und auch hierbei wird es sich nur um die Spitze des Eisberges handeln.
Hier geht es noch nicht einmal so sehr um strafrechtlich relevante Dinge. Es ist eben nicht verboten, Firmen wo anders auf der Welt zu besitzen. Auch nicht, das eigene Vermögen bei diesen Firmen zu hinterlegen. Aber all das hinterlässt doch einen mehr als faden Beigeschmack. Unsere „Elite“ ist moralisch mehr als verwerflich unterwegs, wenn doch die, die vorbildlich vorangehen sollten, jede erdenklich Lücke suchen und nutzen, um ihr Vermögen so gering wie möglich versteuern zu müssen. Ganze Armeen an Anwälten und Banken sind nur beschäftigt, um eben jene Lücken zu finden und zu nutzen.

Dabei sind Steuern doch nicht nur Abgaben, sondern Investitionen in uns alle: Bildung, Autobahnen, Energiewende. Wir wollen vom Staate nur das Beste, dann sollte man auch so ehrlich sein, sich an all dem zu beteiligen. Und zwar jeder im gleichen Rahmen seiner Möglichkeiten. Die Friseurin, der Bäckermeister, der Architekt und der Investmentbanker – sie alle müssen Steuern zahlen, Versicherungen und Kredite.
Doch, und eben das macht mich so wahnsinnig wütend, schafft die Politik es nicht, diese Beteiligung fair zu gestalten. Es zahlt eben nicht jeder den gleichen Beitrag zu unserer Gesellschaft, nein, im Gegenteil werden die „kleinen Leute“ im Verhältnis mit prozentual höheren Abgaben bestraft, obwohl sie bar ihrer Hände Arbeit viel mehr erwirtschaften. Wer anderer Leute Geld Gassi führt und es in Fonds oder sonst was anlegt, macht kaum einen Finger krumm und steht am Ende des Lebens doch tausend mal besser da, als ein Dachdecker, der sein Leben lang eben jenes riskiert hat und hart gearbeitet hat.
Die meisten Menschen wissen nicht einmal, ob sie später von ihrer Rente leben können, oder ob sie gar Sozialhilfe brauchen werden. Viele Mütter können ihren Kindern kein vernünftiges, gesundes Essen auf den Tisch stellen. Es gibt heute mehr Kinder, die in Armut leben, als je zuvor. In einem Land, das Exportweltmeister (gewesen) ist.

Doch die Politik versagt dabei, diese Umstände zu ändern.

Sie versagt dabei, jedem die gleichen Chancen für die Zukunft zu ermöglichen und jeden an der Sicherung dieser gleich zu beteiligen.

Sie versagt sogar dabei, die Leute, die sich vor ihrer bereits bestehenden Verantwortung drücken, indem sie zum Beispiel Steuern hinterziehen oder Geld verstecken, angemessen zu bestrafen.

Vor allem hat das natürlich mit der exzellenten Lobbyarbeit zu tun, die nah unseren Politikern, egal ob in Berlin oder Brüssel, geführt wird. Wirtschaft, Politik, Mächtige, Reiche. Sie geben sich die Klinke in die Hand dabei, uns alle noch mehr ausbluten zu lassen, uns jede Hoffnung auf eine gesicherte und lebenswerte Zukunft zu nehmen und ihre eigenen Interessen weiter über die aller anderen zu stellen. Sie füttern uns mit Krisen, mit Skandalen und Ablenkungen. Brot und Spiele, sagten die Römer. Ein Konzept, das auch heute nur allzu gut aufgeht. Und vor allem wird immer darauf geachtet, dass jeder jemanden hat, auf den er bedenkenlos hinunterschauen kann. Bevor die Fliesentischbesitzer in unserem Land noch auf die Idee kommen, bessere Bildung und gutes Essen für ihre Kinder zu fordern, setzt man ihnen lieber medial eine Flüchtlingskrise vor die Augen, damit sie ja jemanden haben, den sie in vollem Sozialneid hassen können.

Und dann stellt sich auch noch ein Herr Gabriel hin und spricht von Ungleichbehandlung zwischen eigener Bevölkerung und Fremden, um die Ablenkung perfekt zu machen.

Denn so lange man den Schwarzen, den Marokkaner und den Syrer hassen kann, denkt man nicht darüber nach, die Eliten des Landes für irgendetwas verantwortlich zu machen. So lange es Schwächere gibt, die man verachten kann, kann man den Blick nicht nach oben auf die eigentlich Verantwortlichen wenden.

Was wir brauchen, ist ein neues Verständnis von Gesellschaft, von sozialem Handeln und von menschlichem Miteinander. Wir müssen diejenigen, die der wahre Grund für die Spaltung unserer Gesellschaft, ja unserer Welt sind, an den Pranger stellen und bestrafen. Wir müssen die Eliten zwingen, sich am Wohlstand für alle zu beteiligen, nicht nur den eigenen stetig zu mehren.
Wir müssen Reiche und Erben besteuern, und reiche Erben. Wir müssen einige Oasen trockenlegen und andere, neue Oasen schaffen. Wir müssen den Blick wieder mehr über den Tellerrand schweifen lassen und weniger darauf, wie wir den Teller noch voller bekommen. Wir müssen an die Schwächsten denken, nicht an uns selbst. Wir alle müssen bereit sein, uns für eine bessere Zukunft zu beteiligen.

Dann gewinnen wir alle im Lotto.

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