Je suis Charlie

Je suis Charlie

Als ein Mensch, dem nichts wichtiger ist, als die persönliche Freiheit, die eigene Meinung, Gerechtigkeit und das Ausleben des Ichs, komme ich heute nicht umhin, meine Meinung zu den Vorkommnissen in Frankreich diese Woche kundzutun. Auf der einen Seite hat man nur darauf gewartet, dass der Terror nach Europa zurückkehrt. Dass er es auf diese entsetzliche Art getan hat, schockiert auf der anderen Seite dann doch auch sehr persönlich.
Europa, die Wiege von Freiheit, Gleichheit, westlichen Werten und westlichem Recht, ins Herz getroffen von denjenigen, die sich mit mittelalterlichen Vorstellungen gegen vermeintlich persönliche Beleidigung „wehrten“.

Dass es dann ausgerechnet eine Satire-Zeitschrift getroffen hat, macht irgendwie noch mehr betroffen. Denn hier wurden nicht bloß Menschen auf grausame Art und Weise aus dem Leben gerissen, nein, sie wurden aufgrund ihrer Arbeit, ihrer eigenen Entfaltung, hingerichtet. Hier wurde auf symbolische Art ein westliches Grundrecht attackiert, von bösartigen, dummen Tieren, die ihre eigenen Grundrechte schon lange völlig abstrusen Ideologien unterworfen haben.

Freie Meinung, ein Grundrecht, ein Menschenrecht. Nichts wird in dieser Welt so sehr mit Füßen getreten.
Da wo Menschen aufeinander treffen, enstehen zwangsläufig verschiedene Ansichten und Ideen, entstehen Diskussionen und Umdenken, Anpassung und Kompromisse. Ohne diese Grundeigenschaft, die uns zusammen mit Reflexion und Selbstreflexion grundlegend von den Tieren unterscheidet, wäre für die Menschheit keinerlei Evolution oder gar Aufstieg, keinerlei Zivilisierung oder Zivilisation möglich gewesen.

Umso mehr schockiert es, dass diese Eigenschaften von einigen wenigen verkümmert, beschnitten und mit Füßen getreten werden, weil es ihnen irgendeine verdrehte Perversion eines Glaubens (egal, welches Glaubens) diktiert. Diktieren. Diktat. Diktator.
Das Wort beschreibt die Schattenhaftigkeit des Ganzen am ehesten.

Wo persönliche Meinung und Diskurs mit anderen vorhanden sind, schwingt auch immer die Provokation, im Sinne des Religiösen die Blasphemie, mit. Provokation, Hinterfragen, Kritik üben, bilden den Motor der eigenen, aber auch der zivilisierten Entwicklung. Gerade die Zeit der Aufklärung hat aufgezeigt, wie essentiell dieser Motor für die Menschheit ist. Traditionen sind wichtig, sind gut, bilden ein übergeordnetes Gedächtnis. Aber manche Dinge müssen eben angepasst werden oder einfach Erinnerungen bleiben.
Einigen Teilen der Welt fehlt die Aufklärung noch. Und solange dies nicht passiert ist, solange nicht alle Menschen Glauben und Religion, sowie die Kritik daran als Ausleben der Persönlichkeit und nicht mehr empfinden, solange werden Menschen einander Gewalt antun, um überholte und pervertierte Ansichten durchzusetzen. Und solange werden auf dieser Welt Individuen existieren, die durch ihre Ansichten den Tieren noch näher sind, als dem entwickelten und aufgeklärten Menschsein.

In diesem Sinne denke ich an jene Männer und Frauen, die für die Flamme der Freiheit der eigenen Meinung ihre Leben lassen mussten und hoffe, dass ihre Opfer im Sinne einer gesamtmenschlichen Entwicklung nicht umsonst gewesen sind.

Je suis Charlie.

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