Freitags

„Beate“, frage ich, ohne von der Zeitung aufzublicken, „gehst Du heute eigentlich noch einkaufen?“.

Ein Teller zerschellt am Kühlschrank in tausend Scherben, an den Resten noch Spülschaum haftend.

„Mach deinen Scheiß doch alleine!“, klingelt es in meinen Ohren, dann stapft sie mit wütenden Schritten Richtung Schlafzimmer, das Spültuch noch in der Hand. Ich blicke auf, es muss schon wieder Freitag sein. Ja, ein flüchtiger Blick auf den Kalender bestätigt meine Annahme. Ich erhebe mich seufzend und komme nicht umhin, ein Schniefen hinter der Schlafzimmertüre zu vernehmen.

„Schatz“, beginne ich vorsichtig, „ich wollte bloß fragen, ob ich nicht für Dich einkaufen gehen soll.“ „Das sagst Du jetzt doch nur so, du Arsch!“, schallt es mir entgegen.

Jackpot, schon wieder alles falsch gemacht. „Ich, ääh, hab dich lieb!“, hauche ich noch Richtung Tür, dann schnappe ich mir meine Jacke und den Einkaufszettel von der Kühlschranktür und verlasse beinahe rennend die Wohnung. Im Auto angekommen, überlege ich, wohin mich die Reise zuerst führen soll, während aus dem Radio lauthals „die Ärzte“ mit „Männer sind Schweine“ schallen.

Karma, oder so.
Ein Blick auf den Zettel verrät mir, dass ein Grundbedarf nicht erfüllt ist, es fehlt zwischen „Gemüsegurke“ und „Tampons: Mittelgroß & Saugstark“ ganz klar eine Kiste Bier. Also geht es erst einmal zum Getränkemarkt. Erste Hürde, einen Parkplatz finden. Anscheinend denken alle Rentner, man müsse freitags dringend die Zombie-Apokalypse-Vorräte an Alkohol und anderen Getränken, Chips und Dosenravioli einkaufen, um ja das erste postapokalyptische Wochenende zu überstehen.

Folglich drängeln sich die silbernen Mercedes C-Klassen nur so, dazwischen immer wieder ein Onkel Erhardt mit einem Wagen voll „KöPi“ und „Gerolsteiner medium“. Nach einem gelungenen Slalom ohne Schaden an Mensch oder Maschinen erhasche ich doch noch eine Lücke, parke ein und steige aus. Meine Fresse, haben die sich verabredet? Ja, Tatsache, da quatschen zwei Opi´s gemütlich in der Mitte des Blechkarossensturms übers Wetter. Na ja, ich schnappe mir einen Karren und betrete die heiligen Hallen des Getränkelagers. „Na, Meister, wat darf et denn sein?“, quatscht mich ein pickliger Jüngling in einem zu großen Polohemd in Blaugelb munter an, im Mundwinkel lässig eine Zigarette hängend. „Ein erwachsener Mitarbeiter und ne Kiste Veltins, bitte.“, entgegne ich lasch und bin schon zwischen den Bierregalen verschwunden, als Pickelgesicht schnallt, was ich da gesagt habe. „Eeey, Meister, ich kann dat och, ja?“, meine Fresse, ist der anhänglich.
„Bitteschön“,antworte ich lächelnd und sehe ihm dann dabei zu, wie er sich mit einem Zwanzigerkasten Pils abmüht. „Na, besten Dank. Vielleicht darfst Du das ja auch mal trinken.“, meine ich noch, dann bin ich auch schon Richtung Spirituosen verschwunden. Dieses Mal gibt es anscheinend keinen Verständnisgedankenblitz. Das wär erledigt. Beim Whisky angekommen entscheide ich mich für eine gute Flasche Scotch, irgendwie muss man das Wochenende ja rumbekommen. Nach dem Bezahlen, zurück auf dem Parkplatz, hat sich die Zahl der „KöPi“-Rentner etwas verringert. Na, immerhin etwas.

Der restliche Einkaufszettel führt mich weiter in die Stadtmitte, zum EDEKA meines Vertrauens. Im Parkhaus klingelt mein Handy, es ist Beate. „Denk an die Rinderrouladen für Sonntag, meine Eltern kommen doch zum Essen!“, keift sie mir ins Ohr. Mit einem entnervten „Wie könnte ich das vergessen.“ lege ich auf. Das gibt Ärger. Gut, dass ich den Whisky gekauft habe, das Wochenende wird nämlich immer unerträglicher.
Im EDEKA schnappe ich mir einen Einkaufswagen, aber nicht das Standardmodell. Ich nehme mir einen von diesen Kinderautoeinkaufswagen. Ohne Kind natürlich, einfach, um mir der verdutzten Blicke der Single-Mamas sicher zu sein, die mit gequälten Mienen ihre „Jasons“ und „Justin-Costas“ durch die Gegend schieben. Gemein sein ist was Schönes.

An der Fleischtheke schließlich ersetze ich die Rinderrouladen kurzerhand durch 350-Gramm-Filetsteaks, die passen dann auch besser zum Bier. Zum Nachtisch wird noch eine Portion „Ben&Jerry´s“ eingepackt, das Essen kann kommen.

Auf der Heimfahrt überlege ich nicht nur, wie ich den Abend möglichst mit Fußball, Grill und Dosenbier mit meinen Kumpels verbringe, sondern auch, wie ich Beate wieder milde stimmen kann. Beides zusammen geht nicht. Schade. Manchmal wünscht mann sich eben, Frau wäre Frau und bester Kumpel zugleich.

Ich halte dann doch noch am Blumenladen, um wenigstens einen Strauß Rosen als Entschuldigung vorschieben zu können, brauche aber rund eine Viertelstunde, um was passendes zu finden. Vielleicht, weil ich in Gedanken bei dem schmelzenden Eimer „Ben&Jerry´s“ bin.

Zuhause schließe ich auf, drücke die Tür auf und blicke auf meine verheult-wütende Freundin, die beim Anblick des Blumenstraußes ein Instant-schlechtes Gewissen bekommt. Während sie also glücklich eine Vase sucht, trage ich fix das Bier in den Keller und die Steaks in den Kühlschrank.

Wochenende gerettet, würde ich sagen. Bis Freitag.

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