Thema: Sinnkrisen

Heute möchte ich wieder mal ein wenig in die philosophische Richtung des Denkens abschweifen, die Idee dazu ist mir in einem Gespräch gestern Abend gekommen.
Dieser Text soll von Sinnkrisen handeln; was sind Sinnkrisen; was bedeuten sie; wie soll man als Einzelner damit umgehen?

Nun, als Einstieg und um das Thema ein wenig zu erleichtern: Jeder hatte schon einmal eine Sinnkrise, bei manchen bildet sich daraus vielleicht sogar eine Depression, ein Burn-Out oder mehr.
Ich selbst bin nun Mitte Zwanzig, eine Zeit der Umbrüche, die einen Menschen vor die großen Fragen stellt:

Was will ich werden? Wo will ich wohnen? Mit wem will ich leben? Will ich Kinder oder Haustiere haben? Trinke ich lieber Kaffee oder Tee, oder lieber Bier oder Wein?
Fragen über Fragen, die einzeln mit ein wenig Disziplin in den Griff zu bekommen sind.

Kompliziert wird es immer dann, wenn die eine Fragestellung an sich selbst mit einer anderen im Zusammenhang erscheint; dabei ist es unerheblich, ob wirklich ein Zusammenhang besteht, oder ob ich als Person nur einen Zusammenhang sehe. Der entstehende Druck ist schließlich derselbe und kann ganz enorm sein.

Eine Sinnkrise bedeutet dabei stets ein Gefühl der Überforderung, der Hoffnungslosigkeit, ja, ein Tunnel ohne das berühmte Licht am Ende, ein Horizont ohne letzten Sonnenschein. Niemand zeigt einem die Richtung, dafür springen die Gedanken von einem Themen- und Problemfeld zum Nächsten, bis man sich schließlich irgendwo verloren hat und nicht mehr weiß, wo man eigentlich noch anfangen soll. Tiefe Leere erfüllt einen, Gedanken sind wie wabernde Nebelschwaden am Rande des Bewusstseins, die auch mit größter Konzentration nur schwer zu fassen sind und selten brauchbare Ergebnisse liefern. Hinzu kommt exzessives Verhalten, Schlafmangel oder Zeiten, in denen man am Schreibtisch sitzt und auf den Bildschirm starrt, ohne irgendwas zu lesen oder zu denken.

Dabei scheint es so einfach; zahlreiche Ratgeber, menschlich, wie schriftlich, zeigen einem vermeintliche Wege zum privaten Glück auf.
Doch der halbwegs gebildete Mensch verzweifelt auf diesem Weg meist umso mehr; viele Menschen geben sich eben mit wenig zufrieden, etwas, was für einen Denker nicht in Frage kommt.
Außerdem scheint es meist, dass die eigenen Träume kräftig mit der Realität kollidieren oder für den Moment einfach unerreichbar scheinen, sei es, weil einem der richtige Partner, die richtige Umgebung oder die richtige Menge an Geld dafür fehlt.
Sinnkrisen. Sind sie eine normale Herausforderung, die jeder Mensch zu bestehen hat, sei er jung oder alt, reich oder arm? Oder sind sie ein negatives Privileg der denkenden Minderheit?
Ich denke, ersteres. Herausforderungen muss jeder bestehen, doch jeder geht anders damit um. Während viele meiner Freunde einfach die Ruhe in Person sind (oder zu sein scheinen) und planmäßig ihren Weg gehen, sehe ich bloß einen weißen Flur voller Türen, die der Reihe nach auf und zu gehen.
Man sieht, es ist schwer, eine generelle Handlungsanweisung zu finden.
Was den zweiten Aspekt anbelangt: Einfache Menschen haben vielleicht einfache Träume. Aber auch einfache Träume können große Brocken auf dem Weg zum Glück sein.

Doch wie nun handeln, wenn es doch nicht die richtige Handlungsweise gibt? Ist jetzt jeder auf sich allein gestellt? Müssen wir uns nun durch ein Leben der Probleme, Krisen und Herausforderungen kämpfen, bis wir schließlich in einer Kiste zwei Meter unter Blumen enden?
Nein. Man kann vielleicht nicht seine Träume ändern (das sollte man auch nicht), man kann auch mitunter nicht die Umstände oder Wege dahin ändern, doch man kann sehr wohl seine Einstellung ändern.
Man kann sich natürlich ablenken, indem man sich mit den Problemen anderer beschäftigt, aber das ist allzu leicht und bietet keinen Weg aus der eigenen Sinnkrise.

Man sollte sich einfach klar machen, dass Sinnkrisen, so wie fast alles im Leben, eine positive und eine negative Seite haben. Klar, sie erscheinen beinahe immer übermächtig und nehmen einen zentralen Platz im Leben ein, schaffen eine große Leere in der Seele, die nicht leicht zu füllen ist.
Doch wenn man sich einer Herausforderung diszipliniert stellt, wächst man stets daran.
Niemand ist mit Mitte Zwanzig erwachsen, manche sind es mit Vierzig noch nicht (ein Zeitpunkt, an dem meist die zweite Sinnkrise des Lebens folgt).
Beruf, Liebe, Wohnort. Veränderliche Dinge. Vorsicht ist nur geboten, wenn andere Menschen mit am eigenen Schicksal hängen (was die Sinnkrise sodann sehr verschärft).

Ich möchte hier mit Sicherheit nicht die tausendste Anleitung zum perfekten Selbstbild abliefern, wie könnte ich auch, ich , der stets mehr mit dem Leben hadert, als die meisten anderen Menschen?
Doch ich möchte Mut machen. Möchte zeigen, dass man mit einer gesunden Einstellung Herausforderungen eben als Herausforderungen sehen soll und nicht als unüberwindliches Problem. Dass man manche Dinge eben philosophisch angehen muss und nicht unbedingt nüchtern und sachlich.
Zu den eigenen Träumen gehört eben immer ein wenig Spinnerei. So lange man sich nicht darin verliert, sondern die Augen offen hat für seine Ziele und sie Schritt für Schritt angeht, sollte man große Sinnkrisen vermeiden können.

Sinnkrisen. Träume. Wege. Alles miteinander verknüpft, doch unheimlich wertvoll für das Menschsein, das Menschwerden. Man muss sich nur stets fragen, was für ein Mensch man sein will. Dann schlagen viele Türen von selbst zu.

M

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