Hero of the Year

Oh man. Was für ein unglaublich kitschiger Film. Ich bin ein Mädchen, und sogar ich finde ihn kitschig. Jennifer Aniston gibt sich mal wieder größte Mühe, das dumme Blondchen zu geben, das am Ende des Filmes sowieso den Macho, in diesem Fall den Action-Crash-Test-Dummy-König der „300“ ,Gerard Butler, zum angetrauten „Hero of the Year“ nimmt.

Na ja, was soll man machen, im Kino gab es leider echt nicht die beste Auswahl an Filmen für ein Date. Und so begnügen wir uns mit einer Jahresration Popcorn, geschätzten drei Litern Cola (in meinem Fall „light“) pro Person und unserer Gesellschaft. Die stellt für mich dabei den interessantesten Teil des Abends dar. Lukas.

Lukas trainiert im gleichen Fitnessstudio wie ich, wenn auch mit anderen Zielen, will ich meinen. Trotzdem gehört er nicht zu den Hohlköpfen, die sich aufgepumpt vor den Spiegel stellen, um ihre Form für den anschließenden, abendlichen Disco-Besuch zu prüfen. Lukas ist eigentlich sehr nett, auch wenn ich das bloß aus den wenigen Gelegenheiten, die er verlegen und verschwitzt vor mir stand, um Small Talk zu halten, weiß.
Er ist so alt wie ich, war auf der Grundschule sogar in meiner Parallelklasse, meine ich, und ist mit seinem strohblonden Haar eigentlich nicht so mein Typ.

Aber als er mich gefragt hat, ob ich auch mal abseits vom Sport was mit ihm machen würde, konnte ich irgendwie nicht Nein sagen. Und da sitzen wir nun, gepresst in rot bezogene Kuschelsitze, mit Popcornkrümeln auf den Klamotten und lachen herzhaft über jede noch so dämliche Filmkonversation. Es hat eben auch Vorteile, wenn man zu zweit allein in einem Kinosaal sitzt. Achtung, romantische Szene, lang anhaltender Kuss, dramatische Musik.

Plötzlich ergreift Lukas vorsichtig meine Hand und legt sie in die seine. Ich erschrecke und will schon zurück zucken, doch dann fühlt es sich irgendwie doch ziemlich gut an und ich lasse sie wo sie ist.

Dafür konzentriere ich mich nur noch mehr auf das allgemeine Rumgeschlecke auf der Leinwand vor mir, bis das irgendwie unerträglich wird. Ich komm mir vor wie mit Dreizehn. Was muss Lukas von mir denken, wenn ich mich wie so ein Kind aufführe?

Bis auch das im nächsten Moment völlig uninteressant ist, weil die Kopfschmerzen wieder zuschlagen wie ein Vorschlaghammer. Urplötzlich, gewaltig und grausam. Ich reiße meine Hände nach oben an meine Stirn, mein Popcorn fliegt im hohen Bogen davon und verteilt sich auf die nächsten vier Sitzreihen, während ich schon vorne über kippe. Lukas ruft noch irgendwas, aber was genau, bekomme ich schon nicht mehr mit.

Als ich wieder zu mir komme, liege ich irgendwo zwischen meinem Kinositz, der Reihe davor und meinem halb geleerten Popcorneimer. Ein Gesicht schiebt sich in mein Blickfeld. Es ist Lukas, der aussieht, als wäre ich so eben aus dem Jenseits erschienen, um ihm die Heilige Schrift zu erläutern, und zwar auf alt-ägyptisch.

Auf seine Nachfrage, was denn los und ob alles in Ordnung sei, antworte ich leicht benommen, dass es mir gut geht und dass ich aber lieber nach Hause gehen will. Wie ein galanter Ritter in Weiß hilft er mir auf die Beine, nicht ohne zu fragen, ob er mich nicht lieber in ein Krankenhaus bringen soll. Ich sage energisch Nein zu dieser Idee. Ich will einfach nur nach Hause, eine Packung Aspirin einschmeißen und dann ins Bett.

Irgendwie schaffe ich es gehend bis zu Lukas klapperigem Ford, wo er mich sanft auf den Beifahrersitz verfrachtet. Als wir bei mir zu Hause ankommen, hilft er mir außerdem noch aus dem Wagen und bringt mich bis zur Türe, wo wir unter dem Türlicht stehen bleiben. Lukas fragt noch einmal, ob wirklich alles in Ordnung ist und ich sage ihm, ich wäre einfach nur müde und dass ich nur ins Bett will. Er blickt sanft auf mich herab, sagt, dass es trotzdem ein sehr schöner und lustiger Abend war und dass er mich wiedersehen will.

Mein Herz macht dabei einen Hüpfer und überlagert kurzzeitig sogar das Chaos hinter meiner Stirn. Mit einem leichten Kratzen im Hals (wo kommt das jetzt bitte her?) wünsche ich Lukas noch eine Gute Nacht und stecke meinen Hausschlüssel ins Schloss.

Er geht zurück zu seinem Wagen, wartet aber tatsächlich noch, bis ich im Flur bin und die Tür geschlossen habe. Was für ein Kavalier, denke ich noch, da macht sich der Kopf schon wieder bemerkbar.

Irgendwie schaffe ich es aber noch, eine Tablette zu nehmen, zumindest die Hälfte meiner Klamotten auf meinem Zimmerfußboden zu verteilen und unter die Decke zu schlüpfen.

Beim Einschlafen denke ich noch daran, dass der Abend trotz allem gar nicht so übel war. Und dass Lukas gar nicht so übel ist. Wer weiß, mein „Hero of the Year“?

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