Lottogewinn

Einmal im Lotto gewinnen – so um die 10 Millionen. Davon träume ich und wahrscheinlich nicht nur ich. Eigentlich ja jeder. Zu groß ist die Verlockung, sich alle Wünsche, die sich über die Zeit so angesammelt haben, hintereinander weg selbst erfüllen zu können.

Ich würde mir einen kleinen Hof kaufen, irgendwo, wo es schön ist. Hauptsache ruhig. Ich würde alles auf Vordermann bringen, Energiesparhaus und so. Da wo möglich. Ich würde Bäume und Tiere kaufen, natürlich auch noch ein, zwei Autos und vielleicht noch ein Motorrad. Und ich würde mir endlich den Traum von der großen Privatbibliothek erfüllen, den vom Urlaub auf Mauritius/ in Norwegen und den von selbst verlegten Büchern. Ich würde auch eine Menge spenden, an verschiedene Projekte, die mir am Herzen liegen.
Und ich würde meine Steuern zahlen. Ich weiß, dass ganz schnell ganz viel von dem Geld weg wäre, aber es in einen Koffer zu packen und den nach Liechtenstein oder sonst wo zu bringen, das würde mir im Traum nicht einfallen. Geiz ist geil, klar, jeder schätzt gute Angebote.

Aber was mich wirklich schon länger auf die Palme bringt, ja, mich wirklich stört an unserer Gesellschaft, ist, dass sich ein Egoismus und Neid durch alle Schichten zieht, von dem man meinen könnte, wir als aufgeklärte Zivilgesellschaft wären darüber hinweg. Dass wir auch mal zehne grade sein lassen können anderen mal was gönnen.

Doch die Zahlen – die sprechen wie so oft eine andere Sprache. Wann immer man den Fernseher anmacht, kann man sich Sendungen oder Werbung über Leute anschauen, die es eindeutig schlechter haben, als man selbst. Und damit meine ich nicht nur die Prolls von „Frauentausch“, sondern eher das Klischeebild vom unterernährten schwarzen Kind aus dem Kongo. Dazu passend gibt es genug Studien über die Vermögensaufteilung auf der Welt, wie auch partiell gesehen in unserem Land. Hier besitzen 10% der Haushalte 52% des Nettovermögens, 50% der Haushalten dagegen nur 1% davon. Man spricht hier bildlich auch von der Schere zwischen Arm und Reich, die in Deutschland, wie auch im Rest der Welt, immer weiter auseinander klafft. Je weiter die Globalisierung voranschreitet, desto mehr Vermögen verteilt sich auf nur wenige. Unsere sogenannte Elite.

Dieser Tage macht der „Panama Papers“-Skandal die Runde. Hunderte zum Teil berühmte und bekannte Menschen parken ihr Vermögen in Briefkastenfirmen in der Karibik. Lang gehegte Vermutungen werden wahr, nicht nur das, es gibt genug Beweise Schwarz auf Weiß.

Und auch hierbei wird es sich nur um die Spitze des Eisberges handeln.
Hier geht es noch nicht einmal so sehr um strafrechtlich relevante Dinge. Es ist eben nicht verboten, Firmen wo anders auf der Welt zu besitzen. Auch nicht, das eigene Vermögen bei diesen Firmen zu hinterlegen. Aber all das hinterlässt doch einen mehr als faden Beigeschmack. Unsere „Elite“ ist moralisch mehr als verwerflich unterwegs, wenn doch die, die vorbildlich vorangehen sollten, jede erdenklich Lücke suchen und nutzen, um ihr Vermögen so gering wie möglich versteuern zu müssen. Ganze Armeen an Anwälten und Banken sind nur beschäftigt, um eben jene Lücken zu finden und zu nutzen.

Dabei sind Steuern doch nicht nur Abgaben, sondern Investitionen in uns alle: Bildung, Autobahnen, Energiewende. Wir wollen vom Staate nur das Beste, dann sollte man auch so ehrlich sein, sich an all dem zu beteiligen. Und zwar jeder im gleichen Rahmen seiner Möglichkeiten. Die Friseurin, der Bäckermeister, der Architekt und der Investmentbanker – sie alle müssen Steuern zahlen, Versicherungen und Kredite.
Doch, und eben das macht mich so wahnsinnig wütend, schafft die Politik es nicht, diese Beteiligung fair zu gestalten. Es zahlt eben nicht jeder den gleichen Beitrag zu unserer Gesellschaft, nein, im Gegenteil werden die „kleinen Leute“ im Verhältnis mit prozentual höheren Abgaben bestraft, obwohl sie bar ihrer Hände Arbeit viel mehr erwirtschaften. Wer anderer Leute Geld Gassi führt und es in Fonds oder sonst was anlegt, macht kaum einen Finger krumm und steht am Ende des Lebens doch tausend mal besser da, als ein Dachdecker, der sein Leben lang eben jenes riskiert hat und hart gearbeitet hat.
Die meisten Menschen wissen nicht einmal, ob sie später von ihrer Rente leben können, oder ob sie gar Sozialhilfe brauchen werden. Viele Mütter können ihren Kindern kein vernünftiges, gesundes Essen auf den Tisch stellen. Es gibt heute mehr Kinder, die in Armut leben, als je zuvor. In einem Land, das Exportweltmeister (gewesen) ist.

Doch die Politik versagt dabei, diese Umstände zu ändern.

Sie versagt dabei, jedem die gleichen Chancen für die Zukunft zu ermöglichen und jeden an der Sicherung dieser gleich zu beteiligen.

Sie versagt sogar dabei, die Leute, die sich vor ihrer bereits bestehenden Verantwortung drücken, indem sie zum Beispiel Steuern hinterziehen oder Geld verstecken, angemessen zu bestrafen.

Vor allem hat das natürlich mit der exzellenten Lobbyarbeit zu tun, die nah unseren Politikern, egal ob in Berlin oder Brüssel, geführt wird. Wirtschaft, Politik, Mächtige, Reiche. Sie geben sich die Klinke in die Hand dabei, uns alle noch mehr ausbluten zu lassen, uns jede Hoffnung auf eine gesicherte und lebenswerte Zukunft zu nehmen und ihre eigenen Interessen weiter über die aller anderen zu stellen. Sie füttern uns mit Krisen, mit Skandalen und Ablenkungen. Brot und Spiele, sagten die Römer. Ein Konzept, das auch heute nur allzu gut aufgeht. Und vor allem wird immer darauf geachtet, dass jeder jemanden hat, auf den er bedenkenlos hinunterschauen kann. Bevor die Fliesentischbesitzer in unserem Land noch auf die Idee kommen, bessere Bildung und gutes Essen für ihre Kinder zu fordern, setzt man ihnen lieber medial eine Flüchtlingskrise vor die Augen, damit sie ja jemanden haben, den sie in vollem Sozialneid hassen können.

Und dann stellt sich auch noch ein Herr Gabriel hin und spricht von Ungleichbehandlung zwischen eigener Bevölkerung und Fremden, um die Ablenkung perfekt zu machen.

Denn so lange man den Schwarzen, den Marokkaner und den Syrer hassen kann, denkt man nicht darüber nach, die Eliten des Landes für irgendetwas verantwortlich zu machen. So lange es Schwächere gibt, die man verachten kann, kann man den Blick nicht nach oben auf die eigentlich Verantwortlichen wenden.

Was wir brauchen, ist ein neues Verständnis von Gesellschaft, von sozialem Handeln und von menschlichem Miteinander. Wir müssen diejenigen, die der wahre Grund für die Spaltung unserer Gesellschaft, ja unserer Welt sind, an den Pranger stellen und bestrafen. Wir müssen die Eliten zwingen, sich am Wohlstand für alle zu beteiligen, nicht nur den eigenen stetig zu mehren.
Wir müssen Reiche und Erben besteuern, und reiche Erben. Wir müssen einige Oasen trockenlegen und andere, neue Oasen schaffen. Wir müssen den Blick wieder mehr über den Tellerrand schweifen lassen und weniger darauf, wie wir den Teller noch voller bekommen. Wir müssen an die Schwächsten denken, nicht an uns selbst. Wir alle müssen bereit sein, uns für eine bessere Zukunft zu beteiligen.

Dann gewinnen wir alle im Lotto.

Was nur für dich ist

Es ist,

als würde hilflos ich im Nebel wandern,

mit immer nur,

dem einem Fuß vorm andern.

 

Dabei will ich doch immer entschlossen voranschreiten.

 

 

Es ist,

als könnte ich meinen Augen nicht trauen,

und niemals,

all zu weit nach vorne schauen.

 

Dabei will ich doch immer der mit dem Weitblick sein.

 

Es ist,

als könnte ich deine Wärme spüren,

und doch bloß wie,

dich immer wieder zu verlieren.

 

Dabei will ich dich doch für immer in den Armen halten.

 

Es ist,

als könnte deinen süßen Duft ich riechen,

und doch,

als würde bloß im Staub ich kriechen.

 

Dabei will ich doch aufrecht gehen.

 

Es ist,

als sähe ich die gegebenen Zeichen,

und doch,

als würde ich dich niemals erreichen.

 

War ich schon immer so blind?

16: Wer ist Charly?

2. Februar, 11:57h

„Guck mal, wie gefällt dir die hier?“, fragt Lukas, während er irgendetwas hochhält, was aussieht wie die 50er-Jahre-Steck-Frisur meiner Oma, die Sex mit einem Streifenhörnchen gehabt hat. Während ich mir das Lachen verkneife und Lukas leicht betreten dreinschaut, drehe ich mich wieder Richtung Regal, aus welchem mich ein etwas stumpf wirkender Kopf mit hell leuchtenden Augen und zu viel Acryl-Makeup angrinst.

Es ist Samstag und wir gehen shoppen. Es ist kein normales Shoppen (zumindest, wenn man weniger als 80 Jahre alt ist) weil wir heute eine Perücke für mich finden wollen. Die OP ist zwar schon länger her, aber weil ich mir der Sache zunächst nicht sicher war und die Krankenkasse über den Jahreswechsel ewig für den Papierkram für die Kostenübernahme gebraucht hat, sind wir erst jetzt hier. Und das ewige Hippie-Kopftuch-Tragen oder Gefragt-Werden-ob-man-denn-Pirat-sei geht mir mittlerweile tierisch auf die Nerven. Von aufgemalten Augenbrauen mal ganz zu Schweigen, die kenne ich sonst nur von RTL II.

Allein den Perückenladen (ja, es gibt echt Läden ausschließlich für Perücken) zu betreten, war unheimlich schwierig für mich, obwohl er wirklich günstig mitten in der Einkaufsstraße der Stadt liegt. Ich scheine auch nicht die erste junge Krebspatientin zu sein, die sich hier eine After-Chemo-Perücke kauft, denn als wir den Laden betreten haben, kam eine nette, alte Frau aus einem Hinterzimmer, die mir sofort ansehen konnte, was ich will, denn sie hat gleich auf das für mich richtige Regal verwiesen, während Lukas anscheinend eher daran interessiert war, mich auf einen Schlag zur hässlichsten Freundin aller Zeiten zu machen, wenn man sich ansieht, was er bisher ausgesucht hat. Ich hänge mit den Blicken immer noch an den Augen von „Charly“, denn so heißt der gruselig aufgemachte Kopf mit der Perücke, die mir bisher am ehesten gefällt. Die Perücke, die Charly trägt (oder heißt), ist schwarz und stellt so einen ziemlichen Kontrast zu meinen blonden Haaren dar, die ich sonst hatte. Auch Lukas scheint der Gedanke gerade gekommen zu sein, er fragt, ob ich mir da ganz sicher wäre und ob ich wirklich mit schwarzen Haaren herumrennen möchte.
Wieso nicht, frage ich, also zuckt er bloß mit den Schultern und murmelt irgendwas von erst-mal-dran-gewöhnen. Etwas zu trotzig drehe ich mich um und blicke ihm in die Augen, worauf er abwehrend die Hände hebt und mich anlächelt. Da ist der Trotz auch schon wieder verschwunden und dem Gefühl tiefer Zuneigung gewichen, immerhin begleitet mich Lukas ja auch heute, wie sonst auch, ohne dass ich ihn erst bitten musste. Während er sich immer noch lächelnd wegdreht, um sich weiter umzusehen, schaue ich in den Spiegel, der an der Wand hängt. Ein komisches Gefühl, irgendwie viel zu warm und leicht kratzig auf dem Kopf. Die schwarzen Haare wirken total ungewohnt, ich sehe etwas zu sehr nach Grufti aus, für meinen Geschmack. Oder wie eine Hexe. Ich trete ein Stück näher ran und trotz des schwachen Raumlichts kann ich die Ringe unter meinen Augen sehen, genauso wie die feinen Hautalterungen. Nachwirkungen von Chemo und Bestrahlung. Ich schaue mir selbst in die Augen, nicht sicher, ob nicht selbst diese ein Stück mehr Richtung Grau tendieren als früher. Eigentlich erkenne ich die Frau in dem Spiegel gar nicht. Sie sieht zehn, fünfzehn Jahre älter aus, als ich es bin. Und nicht nur, dass sie schwarze Haare hat, diese Charly scheint auch schon eine ganze Menge Scheiße durchgemacht zu haben. Sie sieht einfach irgendwie ungesund aus. Sie ist zu dünn, zu müde, zu fertig, zu gestresst, zu sehr mit sich beschäftigt. Sie sieht aus, als ob sie weder einen klaren Gedanken fassen noch den Moment genießen kann.

Lukas hat mittlerweile bemerkt, dass ich mich seit Minuten selbst anstarre und fragt, ob alles klar bei mir wäre und ob wir gehen könnten, weil er unbedingt noch Sportschuhe brauche. Klar, sage ich und drehe mich lächelnd zu ihm um, was er nur mit einem Hochziehen der linken Augenbraue quittiert. Ich nehme die schwarze Perücke. Für einen ziemlich stolzen Preis.
Als wir den Laden verlassen und ich mich noch einmal im Schaufenster betrachte starrt mich Charly wieder an. Ich hatte gehofft, sie wäre einfach im Spiegel im Laden geblieben, stattdessen trage ich sie jetzt irgendwie mit mir herum. Wie ein Schatten, den man nicht los wird.

Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.
Zehn Minuten später bin ich immer noch in Gedanken, während Lukas lautstark über die Vorteile von Kompressionsshirts monologiert, bis ich schließlich völlig unvermittelt ausbreche und ihm an den Kopf werfe, er solle das scheiß Teil jetzt doch bitte einfach kaufen. Lukas verschlägt es darauf erst mal die Sprache, ich laufe dunkelrot unter schwarzer Perücke an und stammel vorschnell irgendwas von bitte jetzt einfach nach Hause fahren. Lukas hat die Verblüffung überwunden, sagt aber nichts, sondern zieht nur abermals die linke Augenbraue hoch. Er schnappt sich das Shirt aus dem Regal, zahlt und wir gehen schweigend nebeneinander her.
Im Auto sage ich immer noch nichts, weil ich mich so schäme, Lukas so angeschnauzt zu haben und weil ich gar nicht mit Sicherheit sagen kann, wo in Gottes Namen das eigentlich herkam.
Ich schaue in den rechten Außenspiegel von Lukas Wagen und da ist sie wieder, Charly. Eine kurze Sekunde denke ich, das Spiegelbild lächelt mich tückisch an. Dann ist der Moment vorbei und da ist wieder nur das müde, abgeschlagene und viel zu dünne Ich mit den Augenringen und eingefallenen Wangen.

 

 

Liebe Nazis!

Liebe Nazis, besorgte Bürger, Identitäre, Widerständler und Pegidioten!

Ihr macht es richtig! Ihr stellt wahrlich die Zukunft dieses Landes dar! Eure Liebe zur Wahrheit, eure fundierten Kenntnisse der menschlichen Rassebiologie sowie eure überragenden orthografischen Fähigkeiten werden Deutschland endgültig zu der Vormachtstellung verhelfen, die es seit 80 Jahren schon verdient! Ihr bringt zu Ende, was Onkel Hitler nicht vermochte!

Es ist euer Traum von einem fremdenbereinigten, deutschnational-straff-durchorganisierten und anti-links-versifften Deutschland, der als einziger Perspektive hat!

Was macht es da schon, wenn man für seine Ziele ein klein wenig die Realität beiseite lassen und sich lieber dem eigenen Hass und Wahn ergeben muss?

Also bitte, springt in die Stiefel, schnappt euch Aluhut und Deutschlandfahne und geht mit einem lauten „Deutschland erwache!“ und „Wir sind das Volk!“ (Seid ihr nicht!) doch mal wieder eine Runde spazieren. Und wenn ihr schon dabei seid, eure Hackfressen der Öffentlichkeit aufzudrücken und jeden Normalbürger oder „Gutmenschen“, wie ihr sie nennt, mit euren Ekel-Parolen zu nerven, dann zeigt doch bitte auch allen Menschen mit mehr als drei Hirnzellen hier, wer für euch Schuld daran ist, dass eure mutigen Visionen noch nicht wahr geworden sind!

Genau, schreit es laut hinaus, das „Ausländer raus!“. Schließlich nehmen euch doch eben diese Menschen, die mit nichts hierhin gekommen sind und nicht mal „richtikk teutsch“ können, eure Arbeitsplätze weg. Oh nein, ich vergaß, ihr habt ja meistens gar keine. Genauso wenig wie Hirn und Eier. Deswegen ist es ja auch so einfach, auf Schwächeren rumzuhacken, gell? Das Leben ist vom Hart-IV-Sofa aus eben viel einfacher zu ertragen, wenn man die Füße auf den Fliesentisch legen,

die BILD aufschlagen kann und sein persönliches Feindbild und den Grund für das eigene „Elend“ auf Silber präsentiert bekommt. Und wenn dann auf Seite 3 die heiße Mandy ihre Titten zeigt, ist der Tag doch schon wieder ein voller Erfolg, nicht wahr? Wenn man dann noch ab und zu bei „Mitten im Leben“ eine Hauptrolle spielen darf, ist man ja schon eine kleine Berühmtheit und nichts anderes als eine Bereicherung für das eigene Volk und hat sich die 2000 Euro Taschengeld redlich verdient.

Aber halt – wie kann das sein? Habt ihr euch um das „deutsche Volk“ doch nicht weiter verdient gemacht, als Sozialleistungen zu kassieren. Von eben dem Staat, den ihr so gerne abschaffen wollt.

Wobei, da tu ich euch ja Unrecht – ihr gebt so viel davon schließlich in Form von Tabak- und Alkoholsteuer zurück.

Na ja, euren Lebensstil müsste ich mir auch schön saufen, das gleiche gilt wahrscheinlich für die Alte neben euch auf dem Sofa.

Ich bitte euch einfach, bleibt so wie ihr seid! Denn so wie ihr seid, seid ihr super! Super dumm und abartig, aber super! Damit habt ihr dann nicht nur etwas, auf das ihr stolz sein könnt (neben „euerm Laand“), sondern es wird für uns normal entwickelte Menschen auch leichter sein, euch und euer identitäres Gelaber zu identifizieren. Hinzu kommt, dass wenn ihr so super dumm bleibt, die oben beschriebene Schreckensvision von einem zukünftigen Deutschland niemals Realität wird!

Seid euch gewiss, dass es immer kluge und aufrechte Menschen in diesem Land geben wird, die euch und euren abstrusen Vorstellungen und Ideologien entgegen treten werden und dass ihr nie, nie, niemals mehr auch nur ansatzweise eine Macht in Deutschland sein werdet!

Glaubt nicht, dass Deutschtum und eure Herkunft irgendetwas zu bedeuten hätte, denn mehr und mehr entlarvt ihr euch als das, was ihr in Wahrheit seid: Ganz, ganz arme Schweine, die zu dumm sind, die Wahrheit zu sehen und sich lieber in Hass ergehen, als den steinigen Weg der Offenheit zu gehen. Ich würde euch ja noch zeigen, wohin „rasseinterne Fortpflanzung“ irgendwann führt, aber ich glaube, ihr seid bereits der beste Beweis.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Schlechte der Welt, tausend miese Krankheiten, einen dicken Stromausfall, die Krätze an den Hals, eine kaputte Waschmaschine, einen Drachen als Schwiegermutter und ewigen Regen für eure „Spaziergänge“!

PS: Und wer mir jetzt mit „Ihr und Euch muss man aber groß schreiben!“ kommt, der hat zwar Recht. Aber das habt ihr Nazischweine nun mal einfach nicht verdient.

M

LogoAntiRacismCampaign

Was ist eigentlich „deutsch“?

Menschen schreien durcheinander, brüllen Parolen in die Nacht. Ein Jeder trägt eine Fackel oder eine Fahne spazieren, Mütter nehmen ihre Kinder bei der Hand. Viele sind betrunken, andere ohnehin angestachelt und aggressiv genug, für das, was gleich folgen soll…

Die Hetze ist zurück, in ihrer hässlichsten Gestalt drängt sie zurück auf die Straße. „Deutschland den Deutschen!“ ist wieder modern geworden, vereinzelt durch „Nein zum Heim!“ – und „Ausländer raus!“-Rufe. Steine, Böller, Flaschen fliegen, während der kreischende Mob sich aufmacht um denen entgegenzutreten, die in ihrem Leben schon so viel mehr durchgemacht haben, als sich der ostdeutsche Durchschnittsnazi von seinem Fliesentisch aus auch nur entfernt vorstellen kann.

Wer mit Sand und Hitze eben nur Mallorca und den Ballermann verbindet und mit körperlichen Strapazen das Gassigehen mit dem Rottweiler, der kann sich eben nicht vorstellen, wie eine mehrmonatige Flucht durch unwirtliche Gegenden aussieht. Wer sich Nike-Schuhe und Thor-Steinar-Pullis leistet, weiß eben nicht, wie es ist, mit nichts als der Kleidung am Leib die Reise in ein vermeintliches Paradies anzutreten. Und wer selber nichts im Leben gelernt hat, hat eben Angst, dass eine gut ausgebildete Fachkraft aus Syrien oder Nigeria eher einen Arbeitsplatz bekommt.

2006 hieß es „Die Welt zu Gast bei Freunden“ und, getragen von der WM, erfuhr das Land eine unglaubliche Euphorie. Konnte es wirklich sein, dass Deutschland und die Deutschen trotz des rechten Minimalrandes ihre neue Identität gefunden und die Schrecken des Dritten Reiches endgültig überwunden hatten? Konnte es sein, dass diese WM dazu reichte?

Heute wissen wir, dass es wohl nicht gereicht hat. Wir können noch so viele Fußballturniere ausrichten, Menschen aus anderen Ländern empfangen wir trotzdem nicht immer mit offenen Armen und einem freundlichen Lächeln. So erlischt diese neue gewonnene deutsche Identität im flackernden Licht der Fackelzüge, so vergeht unsere Hoffnung auf eine offene, mutige und menschliche Gesellschaft in Resignation über Facebook-Kommentare, in denen offen die Wiederaufnahme der Vergasungen in Auschwitz verlangt wird.

Doch sind das Deutsche, die so etwas schreiben? Können das Deutsche sein, wenn doch immerhin die Mehrheit von ihnen nicht einmal die deutsche Rechtschreibung beherrscht? Können das Deutsche sein, wenn sie 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg die Vernichtung anderer Ethnien verlangen und gleichzeitig „einem  Volkssturm gleich“ (..) die Identität des deutschen Volkes als Über-Volk und „Herrenrasse“ wiedererstehen lassen wollen?

Zum Glück nicht.

Zum Glück sind es einige wenige Spinner, die, außer auf Facebook, wohl wenig Resonanz finden werden. Das Dritte Reich war und ist Geschichte. Dumm nur, dass offensichtlich so wenige daraus gelernt haben. Dass so viele sich auf die Seiten der rechten, rassistischen Hetzer stellen und diesen Schweinen, diesem Pack, Gehör schenken und ein Forum schenken. Dass sie ihre Märsche mitmachen. Dass alle, die anderer Meinung sind und sich auf die Seiten dieser armen Menschen, die in ihrer Verzweiflung bis zu uns kommen, stellen, als „Volksverräter“ abgestempelt und niedergeschrien werden. Und dass wieder Heime und Aufnahmestellen brennen, Morddrohungen ausgesprochen werden und Menschen aufgrund ihrer Herkunft Angst um ihr Leben haben müssen.

Jenen Deutschen, die so wenig deutsch sind, wünsche ich eine ähnliche Flucht, den Politikern und Rädelsführern, die mit ihrer Polemik kräftig mitmischen, die Pest an den Hals.

IHR seid keine Deutschen! Ihr seid Rassisten!

Deutsch sein heißt vor allem, die zentrale Rolle Deutschlands in der Geschichte, aber auch seine zentrale Rolle im heutigen Europa wahrzunehmen und anzuerkennen. Aber auch, zu erkennen, wie sehr diese Deutschland in seiner Rolle von anderen profitiert.

Wer Panzer an Kriegsverbrecher verkauft, der kann auch hinterher die Versehrten und Kriegsopfer aufnehmen.

Wer Saatgut außerhalb Europas massiv mit Zöllen belegt, der kann auch die Hungernden speisen, wenn sie bis hierher kommen.

Wer Europa in eine Festung verwandelt, der kann auch Ertrinkende aus dem Mittelmeer retten.

Doch wer ohne nachzudenken die Wiedereröffnung von Auschwitz oder Dachau fordert, der kann nur eines – unbelehrbar und dumm sein.

Und so klammere ich mich fest an den Gedanken, dass Deutschland, dass die Deutschen eben nicht so sind. Dass es nicht „deutsch“ ist, gegen Flüchtlinge zu sein. Sondern dass die Mehrheit, obgleich die schlimmen Meldungen überwiegen, das wahre Gesicht Deutschlands zeigt. Und nur allzu gern Hilfe leistet, egal was es kostet.

Denn das ist menschlich.

Ein Abend bei … Alaturka in Wuppertal.

Lang her, dass ich was gepostet hab. Heute geht´s dafür mal wieder ums Essen!

Diesmal stand ein Familienessen anlässlich Schulabschluss an, das „Alaturka“, im Wuppertaler Luisenviertel gelegen, wurde uns von Bekannten empfohlen.

Kurz vorweg: Wer türkische Küche mag, dem kann ich das Restaurant ebenfalls nur empfehlen!

Nachdem es zunächst etwas schwer zu finden war (es handelt sich mehr um eine Art Hinterhof-Restaurant) betraten wir ein gemütlich orientalisch eingerichtetes Restaurant mit am Eingang befindlicher Back-Ecke, wo man den Köchen bei der Arbeit zusehen kann. Soweit sehr sympatisch.

Zunächst gab es vorneweg gemischte Vorspeisen für vier Leute (14,50€), die aber locker auch für uns sechs Leutchen gereicht haben. Hackfleischbällchen, zweierlei Crèmes, Brot, Blätterteig (Börek ähnlich, wenn ich nicht irre), Petersiliensalat. Alles super lecker und genau genug, um sich auf die Hauptspeise einzustimmen.

Die bestand für mich aus einer Art Grillteller (Das Konzept dürfte von jedem Griechen bekannt sein) mit Pute, Hähnchen und Lamm. Das Fleisch war lecker gewürzt, leider alle drei Sorten auf die gleiche Weise und nebenbei etwas trocken, zumindest das Lamm, das ich eher rosig bevorzuge.
Anbei gab es gegrilltes Gemüse und Bulgur, sowie Reis. Die Beilagen waren übrigens bei allen gleich, wobei wir auch alle ein Grillgericht genommen haben. (Was mich jetzt aber auch nicht weiter stört, ausgefallenes Gemüse kann man sich ebenfalls als Hauptgericht bestellen.)

Für 17,50€ bekam ich hier eine gute, leckere Portion mit feinen, hausgemachten Sachen und frischen Zutaten.

Zum Nachtisch gab es abermals einen „gemischten Teller“ für vier Personen, der auch hier wieder locker für uns alle reichte. Mousse au Chocolat reihte sich an Quark mit Honig, diverse Früchte und Pistazien.

Ich würde fast so weit gehen, zu sagen, dass mir auch Vor- und Nachspeise zusammen locker als Abendessen gereicht hätten.

Alles in allem war es sehr lecker. Ich mag mediterrane und vor allem auch die türkische Küche sehr gerne, bei Alaturka wird das ganze sehr gut für den deutschen Gaumen umgesetzt. Die Preise gehen auch in Ordnung und einen Raki nach dem Essen würde ich jedem empfehlen!😀

Hier noch der Link zur Homepage:

Alaturka

Mein Fazit: 8/10 Gourmet-Punkten!

M

Back in the Game

Man. Es ist Dienstag, ich bin den zweiten Tag zurück in der Schule, nach einer gefühlt ewigen Abwesenheit aus bekannten Gründen und die Lehrer haben nix besseres zu tun, als mir direkt vier Nachholklausuren in die nächsten zwei Wochen einzuschieben. Hallo, ich wurde am KOPF operiert!?

Zu meiner allergrößten Freude beginnt der Reigen an Nervenreizung der schlimmsten Sorte denn auch mit Mathe. Es war so klar. Jetzt sitze ich also hier und arbeite an der nächsten „Mangelhaft“-Klausur, die mit Sicherheit genauso schlecht wird, wie prophezeit, obwohl ich die letzten Tage extra noch mit Lukas wiederholt und gelernt habe. Na ja, was soll´s, auch ohne Hirntumor wäre es wahrscheinlich auf das Gleiche hinausgelaufen. Da nervt mich die Deutschklausur nächste Woche noch wesentlich mehr, immerhin muss ich dafür ein stinklangweiliges Buch lesen, nebenbei noch für Pädagogik lernen und auch noch diverse Nachsorgeuntersuchungen über mich ergehen lassen.

Speziell auf den Besuch bei meiner Frauenärztin bin ich gespannt. Ich hoffe, die verdammte Chemo ist spurlos an meinem Körper vorübergegangen, immerhin soll in einem Monat die nächste anfangen, da möchte ich schon wissen, ob ich das alles ohne langfristige Schäden überstehen kann.

So sitze ich jetzt hier, schaue mal wieder aus dem Fenster in den Schnee hinaus, fahr mir mit der mal wieder schweißnassen Hand durch die immer noch ziemlich kurzen Haare und rätsle an diversen Buchstabengleichungen herum. Nein, Mathe und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr, selbst wenn ich das Glück haben sollte, dass es noch sehr lang werden sollte.

Dabei müsste ich jetzt wirklich mal einen Gang höher schalten, was die Schule angeht, gerade wegen der Chemo. Dann werde ich wieder wochenlang fehlen, obwohl ich jetzt schon ganz knapp vor Nicht-zum-Abi-zugelassen-werden bin. Da bringen mir auch ein paar Wiederholungsstunden mit Lukas und wenige nachgeschriebene Klausuren nicht viel.

Zur Not muss ich eben ein Jahr dranhängen. Wenn das der Preis für einen Tumor weniger im Kopf ist, was soll´s. Man soll ja immer die Gesundheit obenan stellen, da macht ein Jahr länger in der Schule nicht viel aus. Wobei, wenn ich so recht überlege, macht mir das eigentlich eine ganze Menge aus. Noch ein Jahr Mathe beim Fleischer?

Ich blicke auf die Uhr und stelle leicht resigniert fest, dass die Zeit mittlerweile nicht einmal mehr reicht, um auch nur die restlichen Aufgaben der Klausur zu lesen. Kurzerhand schmeiße ich also den Kuli in meine Tasche, stehe auf, greife nach meiner Jacke und Tasche und drücke im Rausgehen dem verschwitzt-verwirrt wirkenden Herr Fleischer die Klausur in die Hand.

Ohne ein weiteres Wort bin ich raus aus dem Klassenraum. Ich steuere zielsicher das Schulkiosk an, um mir einen Latte Macchiato zur Belohnung zu gönnen, dann suche ich nach Svenja, die jetzt eigentlich hier irgendwo in der Nähe stehen und sich über ihre Fingernägel oder das TV-Programm von gestern unterhalten sollte. Ich bin immer noch etwas sauer auf sie, wegen Silvester. Als meine Blicke sie dann finden, wie sie so mit ein paar anderen Mädels aus der Stufe zusammensteht, bin ich aber ganz froh, dass sie meine Freundin ist und bleibt.

Es ist nämlich nicht sonderlich schön, mit einem Latte in der Hand von allen anderen auf dem Schulhof angeglotzt zu werden wie ein Alien auf Mittelmeerkreuzfahrt.

Bevor ich also noch roter im Gesicht werde, gehe ich schnurstracks rüber zu Svenja und den Mädels, um mich in einer Gruppe Gleichaltriger verstecken zu können. Svenja blickt auf und fragt, wie die Klausur gelaufen sei, was ich mit einem Achselzucken und Zuprosten mit Latte Macchiato quittiere. Und weil damit alles gesagt ist, fängt sie leise an zu lachen, wahrscheinlich, weil sie selbst in der Klausur vorher genauso gut abgeschnitten hat. Wenn ich wirklich das Jahr wiederholen muss, wird Svenja mir sehr fehlen, wird mir plötzlich bewusst. Mit den anderen Leuten hier, vor allem mit denen in der Stufe unter uns, habe ich nämlich gar nicht so viel am Hut, wenn man von dem Gerede und dem Mit-dem-Finger-auf-mich-zeigen mal absieht.

Tolle Aussichten also. Egal, Hauptsache Abitur und weitermachen im Leben, der Rest ergibt sich schon. Ganz davon abgesehen, dass meine Erkrankung mir auch gezeigt hat, worauf es eher so im Leben ankommt. Ich glaube, ich bin ein wenig zielstrebiger geworden, mir selbst bewusster gegenüber. Da macht es wohl Sinn, die Fühler schon ein wenig Richtung Zukunft auszustrecken, auch wenn sich irgendwann ein Zeitpunkt ergeben sollte, der mir eine weitere Hiobsbotschaft schenkt.

Zynismus scheint eine Nebenwirkung der Chemo zu sein, etwas, was auch Lukas mit leicht kritischen Blicken schon mal bemerkt hat. Aber keiner kann wohl erwarten, dass ich das alles einfach so wegstecke, ein Jahr Schule wiederhole und mein restliches Leben durchziehe, ohne immer wieder an diesen Schlag denken zu müssen. Oder doch?

Ist mein Anrecht auf Meckern erloschen, nachdem ich eine tödliche Krankheit halbwegs überstanden habe? Immerhin, ich bin nicht auf dem OP-Tisch liegen geblieben und habe augenscheinlich keine bleibenden Schäden davongetragen. Darf ich mich dann nicht auskotzen über die Dinge, die mir jetzt gegen den Strich gehen, auch wenn sie vielleicht ganz anders gelagert sind, als meine Probleme früher? Ich denke, doch. Ist mir egal, ob man sich nicht so anstellen soll und sich des Lebens an sich erfreuen sollte. Ich sehe das Leben jetzt eben anders, mit einer Mischung aus Dankbarkeit, Zynismus und schwarzem Humor. Niemandem muss das gefallen, weder meinen Eltern, noch Lukas, noch Svenja oder den Lehrern. Jeder verarbeitet solche Dinge eben anders.

Oder übertreibe ich es damit doch ein wenig?

In Gedanken bin ich schon wieder bei Mathe, keine Ahnung wieso. Immerhin habe ich nächstes Jahr Gelegenheit, etwas motivierter an den Start zu gehen. Und da das schon beinahe eine Tatsache ist, warum denke ich an diese Klausur zurück?
Vielleicht, weil sie symbolisch für eben genau dieses Konsortium an Gedanken steht, die mich gerade so ein bisschen in den Wahnsinn treiben. Gut, wenn Mathe schon mein Ventil werden soll, dann hau ich nächstes Jahr eben lauter Einsen raus.

Fragen über Fragen

Wie sinnig ist es, nach dem Sinn zu suchen?

Wie aufmerksam sucht man die Aufmerksamkeit?

Wie selten gibt es Seltenheit?

Wie wichtig ist es, von Wichtigkeit zu sein?

Wie gewünscht sind Wünsche?

Wie einzigartig ist die Einzigartigkeit?

Wie geliebt ist die Suche nach der Liebe?

Fragen über Fragen.

Ich stell sie mir, jeden Tag aufs Neue.

Doch die einzige Antwort dazu, die mir einfällt,

ist

ein Bild von dir.

Weil Du mein Sinn bist, meine Aufmerksamkeit,

mir selten und wichtig, mein einzigartigster Wunsch

und meine geliebte Liebe, am Ende der Suche.

Von Träumen und Liedern

Mit Wehmut hör ich dieses Lied,

fühl wie mein verkrustet Herz aufbricht,

erinner mich an letzte Nacht,

während die Welt plötzlich kopfüber steht.

Mir selbst hab ich alles genommen,

doch mit nichts war ich für dich da,

dafür hab ich Bruchstücke, verschwommen,

und keine Liebe, nimmerdar.

Verrückt, mein Herz, verrückt, der Traum,

kein Bruchstück mehr, sondern Geschichte,

lebendig gar, wie ein junger Baum,

und doch vergangen dann, im Morgenlichte.

Ein Abend im.. „History“ in Langenfeld.

Endlich mal wieder ein Artikel kulinarischer Art.😀

Was soll ich sagen? Lecker war´s. Mehr als nur lecker. Sagenhaft lecker, um genau zu sein.

Nach kurzer Anfahrt fanden wir (gestern zu viert) das günstig gelegene Restaurant/California Bar/Grill „History“ in Langenfeld. Hingefahren sind wir eigentlich nur, weil mein Bruder mir die Steaks dort nahegelegt hatte. Also, kurzerhand mal hinfahren und sich die Sache angucken? Sicher. Überzeugt hat dann der Punkt „120 Whiskys im Barsortiment“.

Kaum hatten wir nach freundlicher Begrüßung gesessen und Getränke bestellt, zogen wir erst mal die Karte zu Rate. Recht schnell einigten wir uns auf geteilte Vorspeisen (Baked Onion Rings und Nachos mit selbstgemachter Guacamole und Salsa) und das Hauptmenü (300g Rumspteaks vom Black Angus Rind, mit verschiedenen Beilagen).

Im Übrigen las sich auch die Cocktailkarte nicht schlecht, also wurden auch Cocktails bestellt. (Ich blieb bei Corona und habe lediglich mal probiert.)

Zeit, sich das Ambiente genauer zu betrachten: In einer Posthalterei aus dem Jahr 1780 eingerichtet, sehr weitläufig für eine Bar, fühlt man sich sofort wohl. Das „History“ ist modern-schick eingerichtet, sogar die Toiletten sahen top aus. Einer großen Bar folgt um die Ecke eine Vinothek, indirekte Beleuchtung und Kerzen sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. An den Wänden Spiegel und Schwarz-Weiß-Drucke von Filmstars der 1950er-Jahre. Von allen Seiten starren uns Monroe, Hepburn oder Brando an.

Im Sommer steht wohl außerdem noch eine Art Biergarten in Form einer überdachten Terrasse zur Verfügung.

Vorspeise – yeah, amerikanisch fettig-lecker. Die Zwiebelringe sind, wie ich sie aus Florida kenne, dazu eine leckere Joghurt-Schnittlauch-Sauce. Die Nachos sind genauso aus der Tüte wie im Kino, was aber nicht weiter schlimm ist, da man sie eh nur als Unterlage für die leckere, selfmade Guacamole nutzt, welche sogar noch etwas besser schmeckt, als die Salsa.

Das Ganze ist recht schnell verputzt, es folgt der Hauptgang. Drei von Vier haben 300, der vierte 200 Gramm Rumpsteak bestellt. (300g kosten 24 €, hinzu kommen Beilagen, jeweils 4-6€.)

Das Black Angus ist ein Gedicht, wirklich gutes Fleisch, perfekt medium rare mit leckerer Kruste. Keine einzige Sehne stört den Genuss. Auch die mitbestellten Wedges überzeugen, ebenso die Speckbohnen mit Thymian. Der Spinat ist dagegen etwas gewöhnlich, angemacht mit Zwiebeln.

20150402_192153

So, satt. Nachtisch? Nein danke, auch wenn die Möglichkeiten lecker klingen, „Granny´s Apfelstrudel mit Bourbon-Vanillesauce“ scheint mir einfach zu mächtig. Dann lieber gleich zum Whisky übergehen.

Die Karte auch hier ein Gedicht. Von 5-23€ ist nahezu jede Preisabstufung vorhanden, die Whiskys werden kurz vorgestellt und sind darüberhinaus nach Herkunft sortiert. Zunächst kommt ein Glen Garioch, 15 Jahre, Rotweinveredelung, daher. Lecker, stark und voluminös, der Rotwein klar zu erkennen. (Selbst für mich als Whiskyliebhaber ein Novum.)

Im Anschluss dem Gaumen Ruhe gönnen, eine Cola bestellen (0,2L 2,70€).

Zu guter Letzt: Ein Glen Grant, 25 Jahre. Sehr angenehm, weich, komplex zu trinken.(13€)

Die Whiskys werden extra in Nosing-Gläsern, nicht in Tumblern serviert.

Alles in allem: Rundum zufrieden. Essen lecker, Getränke lecker, Service und Ambiente top. Einzig die Preise fallen ins Gewicht, das „History“ ist klar gehobene Kategorie und kein Restaurant für zwischendurch- aber das will es auch nicht sein. Und sollte es auch nicht.

Hingehen werde ich dennoch wieder.

Ich vergebe hier 9/10 Gourmet-Punkte und damit eine klare Hingeh- Empfehlung.

http://www.history-langenfeld.de/index.php